Journalisten lernt Twitter!

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Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Instagram. E-Mail timo@stoppacher.de

Anfang das Jahres habe ich eine Art Manifest veröffentlicht, in dem ich meine Journalistenkollegen aufgefordert habe, sich mit Facebook zu beschäftigen, statt es rundweg abzulehnen. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es noch etwas anderes gibt, was Journalisten dringend lernen sollten: Twitter.

Twitter funktioniert ganz anders als Facebook und es hat unter anderem den Vorteil, dass man nicht im trüben Wasser der eigenen Freunde schwimmt, sondern jederzeit an Debatten und Diskussionen teilhaben kann, die öffentlich über Twitter geführt werden. Die 140 Zeichen-Grenze setzt Äußerungen dabei von Vornherein quantitative Grenzen.

Twitter ist Avantgarde

Außerdem ist Twitter hierzulande vergleichsweise schwach verbreitet, was es wiederum avantgardistischer wirken lässt. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass es eben Avantgarde ist – und nicht repräsentativ. Viele „Aufreger“ im Internet regen einen überschaubaren Personenkreis auf, der sich in Twitter kanalisiert. Hier sind viele Meinungsführer vertreten, denen eine hohe Zahl von Nutzern folgt. Die Beteiligung der meisten Nutzer hingegen tendiert gegen Null.

Wenn man ein bestimmtes Thema über seinen Hashtag (#) analysiert, stellt man schnell fest, es eine kleine Anzahl von Tweets zu diesem Thema gab, die über Retweets eine riesige Menschenmenge theoretisch erreicht haben. Ob diese Menschenmenge dann das Thema interessant oder relevant fand, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Mittlerweile lässt sich beobachten, dass traditionelle Medien das Meinungsbild, das sich aus Twitter ablesen lässt, in der Berichterstattung ungefragt übernehmen und als allgemeines Meinungsbild darstellen. Also eine Million Menschen sprechen für 80. Wobei von dieser einen Million höchstens eine fünfstellige Zahl überhaupt mit dem Thema in Berührung gekommen ist.

Kommunikationsmedium, nicht Webdienst

Deshalb sollten Journalisten unbedingt verstehen, wie Twitter funktioniert. Wie man in Twitter recherchiert, verifiziert, Themen entdeckt – überhaupt kommuniziert. Denn Twitter ist ein Kommunikationsmedium und nicht nur der x-te Webdienst, in dem Links zur eigenen Webseite gestreut werden können.

Vielleicht helfen dabei schon meine Folien, die ich neulich bei einem Seminar des DJV Rheinland-Pfalz gezeigt habe. Ansonsten nachfragen, aber bitte bei Twitter: @CGNTimo

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3 Kommentare zu “Journalisten lernt Twitter!

  1. Im Ausland (insbesondere in den Niederlanden) wird twitter mit mehr Begeisterung aufgenommen. Ich denke, in Deutschland bedarf es noch ein wenig Zeit. Es ist die übliche Dickfälligkeit unserer Landsleute. Auch Facebook ist hier nicht so schnell gestartet wie im Rest der Welt.

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